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Kooperationsmodell Trinkwasserschutz - Ergebnisse

Die 4. Auflage des Berichtes Trinkwasserschutzkooperationen in Niedersachsen ist im März 2023 erschienen (Reihe Grundwasser, Band 57, 2023). Der Bericht enthält Ergebnisauswertungen bis einschließlich 2020. Die Veröffentlichung ist im Web-Shop unter https://nlwkn-webshop.webshopapp.com erhältlich und steht hier als PDF-Download zur Verfügung. Die Tabellen und Abbildungen des Berichtes werden jedes Jahr aktualisiert und stehen in den Folgejahren ebenfalls als Aktualisierung der Tabellen und Abbildungen als PDF-Download zur Verfügung. Nachfolgend werden die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassend dargestellt:

Grundlagen des Kooperationsmodells

Im Jahr 2021 umfasste das Niedersächsische Kooperationsmodell 379 Trinkwassergewinnungsgebiete (TGG) mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) von insgesamt rund 280.000 ha. Das entspricht rund 11 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Niedersachsens.

Hohe Nitratbelastung im Grundwasser

Das Grundwasser weist in den Trinkwassergewinnungsgebieten des Niedersächsischen Kooperationsmodells eine hohe Nitratbelastung auf. Das zeigt sich daran, dass die Nitratkonzentration von 50 mg/l im Jahr 2022 an 36 % der Erfolgskontrollmessstellen überschritten wurde.

Aus der hohen Nitratbelastung des Grundwassers ergibt sich der besondere Handlungsbedarf für den vorsorgenden Trinkwasserschutz.

Geringe Nitratbelastung im Rohwasser

Im Gegensatz zum Grundwasser ist das geförderte Rohwasser in Niedersachsen überwiegend nicht mit Nitrat belastet. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Fördermengen der einzelnen Wasserwerke lag die mittlere Nitratkonzentration in Niedersachsen im Jahr 2022 bei rund 5 mg/l und somit deutlich unterhalb des Grenzwertes von 50 mg/l der Trinkwasserverordnung. Auch wenn die Nitratkonzentration einzelner Brunnen über 50 mg/l liegt, wird der Grenzwert der Trinkwasserverordnung eingehalten, indem das mit Nitrat belastete Rohwasser mit unbelastetem Rohwasser gemischt wird.

Die geringen Nitratkonzentrationen im Rohwasser gehen vor allem auf die Denitrifikation, einen endlichen Nitratabbauprozess im Grundwasserleiter, sowie auf die großen Fördertiefen zurück.

Landesweite Erfolge des Kooperationsmodells

  • Zwischen 1998 und 2022 ging der Stickstoff-Hoftorbilanzüberschuss in den Trinkwassergewinnungsgebieten des Niedersächsischen Kooperationsmodells landesweit von 95 kg N/ha LF auf 25 kg N/ha LF zurück. Im gleichen Zeitraum verringerte sich der N-Mineraldüngerzukauf von 139 kg N/ha LF auf 68 kg N/ha LF, während die Wirtschaftsdüngerausbringung von 91 kg N/ha LF auf 102 kg N/ha LF anstieg.
  • Die Stickstoffüberschüsse von Schlagbilanzen konnten durch Freiwillige Vereinbarungen, Agrarumweltmaßnahmen und Ökologische Vorrangflächen in den Trinkwassergewinnungsgebieten im Zeitraum 2008 bis 2022 im Mittel um rund 3.100 t N*a bzw. rund 11 kg N/ha LF*a reduziert werden.
  • Noch größer war die Wirkung von Freiwilligen Vereinbarungen, Agrarumweltmaßnahmen und Ökologischen Vorrangflächen auf die Minderung der Herbst-Nmin-Gehalte, die im gleichen Zeitraum im Mittel um rund 3.600 t N*a bzw. rund 12 kg N/ha LF*a betrug.
  • Die mittleren Nitratgehalte der langjährigen Erfolgskontrollmessstellen mit einer Verfilterungstiefe < 20 m unter der Grundwasseroberfläche gingen in den Trinkwassergewinnungsgebieten des Niedersächsischen Kooperationsmodells landesweit von 56 mg/l im Jahr 2000 auf 45 mg/l im Jahr 2022 zurück. Dieser Rückgang vollzog sich vor allem bis 2009, während sich die Nitratgehalte seitdem im Landesdurchschnitt kaum veränderten.
  • Im Rohwasser gingen die Nitratgehalte der langjährigen Messstellen geringfügig von 12 mg/l im Jahr 2000 auf 11 mg/l im Jahr 2022 zurück.

Ausgaben im Rahmen des Kooperationsmodells

Die Ausgaben für Freiwillige Vereinbarungen und die Gewässerschutzberatung beliefen sich zwischen 2004 und 2022 landesweit im Mittel auf rund 18,0 Mio. €*a bzw. ca. 61 €/ha LF. Davon entfielen ca. 11,8 Mio. € bzw. 40 €/ha LF auf die Freiwilligen Vereinbarungen und ca. 6,2 Mio. € bzw. 21 €/ha LF auf die Gewässerschutzberatung.

Gegenläufige Entwicklungen zu den Erfolgen des Kooperationsmodells

Den Erfolgen des Kooperationsmodells stehen Entwicklungen in Niedersachsen gegenüber, die zusätzliche Nitrateinträge in das Grundwasser zur Folge haben und somit der erzielten Stickstoffminderung des Kooperationsmodells entgegenwirken. Zu nennen sind hier der hohe Wirtschafts- und Mineraldüngereinsatz, die Abnahme des Grünland- und Bracheanteils sowie der hohe Maisanteil und das hohe Aufkommen an Gärresten infolge des Betriebes von Biogasanlagen.

Fazit und Ausblick

Die Basis für einen erfolgreichen Grund- und Trinkwasserschutz sind die strikte Umsetzung und Kontrolle des landwirtschaftlichen Fachrechtes sowie die jeweilige Sanktionierung bei Verstößen. Nur wenn das landwirtschaftliche Fachrecht eingehalten wird, können die ergänzenden Maßnahmen des Kooperationsmodells sinnvoll darauf aufbauen.

Die Stickstoffüberschüsse sind in den Trinkwassergewinnungsgebieten des Niedersächsischen Kooperationsmodells in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Die Herbst-Nmin-Gehalte sowie die Nitratkonzentration im Sickerwasser haben sich dagegen kaum verändert. Die Reduzierung der Herbst-Nmin-Gehalte sowie der Nitratkonzentration im Sickerwasser sind jedoch die Voraussetzungen für den Rückgang der Nitratkonzentration im Grundwasser. Bleibt also zu hoffen, dass sich die Reduktion der Stickstoffüberschüsse demnächst auch in verringerten Herbst-Nmin-Gehalten und Nitratkonzentrationen im Sickerwasser positiv bemerkbar machen.


Cover Band 57   Bildrechte: NLWKN
Pressemitteilung Nr. 25 (05.05.2023)

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Markus Quirin

NLWKN Göttingen
Alva-Myrdal-Weg 2
37085 Göttingen
Tel: +49 (0)551/5070-453

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